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Train your ICT-Know-how

Möglich macht’s die Stiftung Wendepunkt. Seit Mai 2018 mit vier Trainingsplätzen in der Informations- und Kommunikationstechnologie (ICT). Während maximal sechs Monaten bringen stellensuchende Fachpersonen dieser Branche ihr Know-how auf «Vordermann». Ziel ist ein Wiedereinstieg in den Arbeitsmarkt.

Montagmorgen im Raum der ICT-Stellensuchenden. Zwei der insgesamt vier Trainingsplätze sind besetzt. Beide Teilnehmenden arbeiten konzentriert an ihrem Laptop. Yannick Christen, seit September 2018 im Programm, hilft mit, die Webpage für das Wohnprojekt Wendepark (1) aufzubauen und zu programmieren. In einem ersten Schritt hat er eine Einstiegs- und Kontaktseite erstellt, die bereits online ist. Parallel arbeitet er an der definitiven Webpage. Eine weitere spannende Aufgabe ist das Erstellen von virtuellen 360-Grad-Rundgängen, etwas, was der gelernte Informatikpraktiker EBA (2) bis jetzt noch nie gemacht hat.

Partnerschaftliches Begleiten

Giancarlo Tomio, Projektleiter Informatik, und Jürgen Wehmann, Fachperson Beratung und Integration, begleiten die Stellensuchenden während ihrer Programmzeit. Tomio deckt das ICT-Know-how ab, plant und bespricht mit den Teilnehmenden ihre Arbeit und behält den Fortschritt im Blick. Wehmann coacht sie im Bewerbungsprozess und in persönlichen Belangen. Regelmässiger Kontakt und gegenseitiges Informieren sind für die beiden selbstverständlich. Oft gehen sie auch miteinander an Standortgespräche zwischen Teilnehmenden und RAV-Personalberater/-innen, was von zuweisender Stelle sehr geschätzt wird.

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Blick in den Raum, in welchem ICT-Stellensuchende an ihren Projekten arbeiten.

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Teilnehmer Yannick Christen bespricht die von ihm gestaltete, provisorische Webpage des Projekts Wendepark.

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Jürgen Wehmann coacht die Programm-Teilnehmenden im Bewerbungsprozess und in persönlichen Belangen.

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Giancarlo Tomio ist für die ICT-Seite im Programm zuständig, plant und bespricht die Arbeit mit den Teilnehmenden und überwacht den Prozess.

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Für Fragen hat Giancarlo Tomio immer ein offenes Ohr.

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Yeliz Obrist-Ylmaz, bald mit Masterabschluss in der Tasche, arbeitet bei komplexeren ICT-Projekten mit. Zudem nutzt sie das Programm, um ihr Deutsch zu verbessern.

Programm erhöht Job-Chancen

Drei Frauen und vier Männer haben das Programm bis jetzt durchlaufen. Sechs davon mit Erfolg. Sie sind nun in der Netzwerktechnik, Programmierung und im Projektmanagement tätig. Die meisten der Teilnehmenden sind zwischen 30 und 40 Jahre alt und bringen ITC-Erfahrung mit. In einer sich dauernd verändernden Branche arbeiten, kann ihr Wissen schnell nicht mehr auf dem neusten Stand sein oder ihre Ausbildung ist wegen Unterbruch nicht mehr aktuell. Ein Grund, weshalb auch Yeliz Obrist-Yilmaz am Angebot teilnimmt. Mit einem Bachelorabschluss in Statistik kam die gebürtige Türkin 2011 in die Schweiz und arbeitete bis zur Geburt ihres Sohnes in namhaften Unternehmen im Bereich ICT. Nach dem Mutterschaftsurlaub gestaltete sich der Eintritt in die Berufswelt aber schwierig. Seit 2017 arbeitslos, erhofft sich nun Frau Obrist durch das Programm, wieder Fuss in der ICT-Branche zu fassen. Da sie einen breiten Rucksack an Fachwissen mitbringt und zudem im Fernstudium noch den Master in Digitalisierung erwirbt, wird sie im Wendepunkt bei komplexeren ICT-Projekten eingesetzt. Neben dem Know-how vertiefen verfolgt Obrist-Yilmaz noch ein anderes Ziel: Ihr Deutsch zu verbessern. «Obwohl Englisch die ICT-Branche dominiert, ist die Schweiz muttersprachlich Deutsch. Wenn ich mich in dieser Sprache nicht ausdrücken kann, schwinden meine Chancen auf einen Job. Hier habe ich die Gelegenheit, mich auch sprachlich weiter zu entwickeln», meint die junge Frau.

Auftrittskompetenzen stärken

Aber nicht nur Fachlücken schliessen oder wie bei Frau Obrist die Sprache vertiefen, sind Bausteine des ICT-Programms. Auch an kommunikativen Kompetenzen wird gearbeitet, berichten die Herren Tomio und Wehmann. Die Zeit, als der Informatiker in seinem Büro sass und programmierte ist vorbei. Heute ist die Informatik überall anwesend, was bedeutet, dass ein Informatiker gut kommunizieren kann –oft ein Herausforderung bei Stellensuchenden. Sie wissen zu wenig, wie sich zu präsentieren. Deshalb gehören zum Angebot sogenannte Präsentationen, bekannt aus der Wissenschaft: Ein Professor lädt seine Gruppe ein und einer stellt ein Thema vor. Danach wird darüber diskutiert. Genau dies wird nun mit den ICT-Stellensuchenden jede zweite Woche umgesetzt. Der Vortragende erhält jeweils von der Gruppe ein Feedback bezüglich Vorbereitung, Präsentation, Verständlichkeit und Zeitmanagement. Mittlerweile werden auch Jobinterviews auf diese Art und Weise simuliert. Je nachdem in welchem Projekt die Programmteilnehmenden mitwirken, stellen sie sogar ihre geleistete Arbeit an Sitzungen vor und nehmen daran teil wie Wendepunkt-Mitarbeitende. All diese Übungen zeigen Wirkung: Die Teilnehmenden bewegen sich selbstbewusster – ein weiterer Pluspunkt bei Vorstellungsgesprächen.

Angebot kommt gut an

Zurück im ICT-Raum. Yannick Christen übt mit vorhandenen Fotos das Handling fürs Erstellen der virtuellen 360-Grad-Rundgänge. Angesprochen auf den Verlauf des Programms meint er: «Bis jetzt bin ich sehr zufrieden. Ich habe einiges gelernt, vor allem im Bereich Webpage-Gestalten.» An zwei Wochentagen absolviert er zudem einen externen Einsatz in einer Bank, vermittelt durch den Wendepunkt Job Coach. Dort ist er für die Datenbank eingesetzt. Auch Yeliz Obrist-Yilmaz hat nur lobende Worte und stellt fest, dass sie nach langer Stellenlosigkeit wieder in den Arbeitsrhythmus kommt und sich ihr Deutschwortschatz bereits erweitert hat. Die ihr zugeteilten Projekte seien nicht nur interessant, sondern auch anspruchsvoll, fasst sie zusammen. Beide können das Programm nur weiterempfehlen.

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Textmermerke

  • 1) Wendepark – gemeinschaftsfördernder Lebensraum für Menschen unterschiedlicher kultureller und sozialer Hintergründe, in welchem Wohnen, Arbeiten und Gestalten sich verbinden.
  • 2) Informatikpraktiker EBA: Zweijährige berufliche Grundbildung mit eidg. Berufsattest (EBA).
Stiftung Wendepunkt, Regine Frey-Eichenberger

Regine Frey-Eichenberger

Autorin