stiftung wendepunkt, arbeitsintegration, schulabgänger, motivationssemester, semo, lehrstelle, anschlusslösung, bewerbung

Support beim Sprung ins Berufsleben

Aktuell nehmen rund dreissig Jugendliche beider Geschlechter am Motivationssemester (SEMO) (1) teil. Peter Marmet und sein Team coachen sie während maximal neun Monaten auf ihrem Weg der Berufsfindung. Ein wichtiger Beitrag für einen gelingenden Übertritt ins Berufsleben.

Erdison Kinolli hat‘s geschafft. Seit August kurvt er als Erstlehrjahrstift mit dem Deichselgerät in grossen Lagerhallen des Schöni Logistikzentrums (2) in Rothrist herum, lagert eingetroffene Güter in hohe Regale ein oder bereitet Bestellungen für die Auslieferung und den Versand vor. Stolz erfüllt Kinolli, weil er zu Schöni gehört und hier seine Lehre als Logistiker EFZ (3) absolviert. Vor einem Jahr jedoch sah alles anders aus: Schulabschluss ohne Lehrstelle! Eintritt ins SEMO der Stiftung Wendepunkt im September 2017. In der betriebseigenen Logistik in Rothrist sammelt Herr Kinolli erste Arbeitserfahrungen. Seine Leistungen sind gut. Um das «Feeling» für den ersten Arbeitsmarkt möglichst schnell zu erhalten, vermittelt ihm der Wendepunkt Job Coach einen dreimonatigen Einsatz in der Logistik der Firma Schöni. Dieser wird dank überzeugender Leistung verlängert und zugleich wird eine Lehrstelle in Aussicht gestellt. Im April 2018 ist es soweit: Erdison Kinolli unterschreibt den Lehrvertrag, beendet auf Mitte Juni das SEMO und arbeitet bis Lehrbeginn als Praktikant mit Lohn bei seiner zukünftigen Lehrfirma.

Durchhaltewille – das A und O

Nicht bei allen Teilnehmenden verläuft das SEMO auf Anhieb erfolgreich. Oft befinden sich die Jugendlichen zuerst wie in einem luftleeren Raum. Wissen nicht, wie es weitergeht. Haben Angst, keine Lehrstelle zu finden. Erdison Kinolli kennt dies. Gerade deshalb rät er den jetzigen Absolventinnen und Absolventen, das Angebot zu nutzen und Tipps der Begleitpersonen umzusetzen. Trotz Höhen und Tiefen sind 2018 viele Erfolgsgeschichten geschrieben worden: Achtzig Prozent – das heisst acht von zehn Jugendlichen – haben das Angebot mit einer Anschlusslösung verlassen. «Das stellt auf, weil es gelungen ist, an den Durchhaltewillen der Jugendlichen zu appellieren. Etliche haben sogar im Mai oder Juni noch eine Lehrstelle gefunden», berichtet Peter Marmet, Leiter des SEMO.

siftung wendepunkt, arbeitsintegration, schulabgänger, motivationssemester, semo, logistiker efz, schöni transport ag, ausbildung, Erdison Kinolli

Erdison Kinolli, in der Ausbildung zum Logistiker EFZ bei der Firma Schöni Transport AG, in voller Fahrt auf dem Deichselgerät.

stiftung wendepunkt, arbeitsintegration, schulabgänger, motivationssemester, semo, logistiker efz, schöni transport ag, ausbildung

Palette mit Hilfe das Deichselgeräts verschieben.

stiftung wendepunkt, arbeitsintegration, schulabgänger, motivationssemester, semo, logistiker efz, schöni transport ag, ausbildung, Erdison Kinolli

Erdison Kinolli beim Kommissionieren (Zusammenstellen) eines Auftrags.

siftung wendepunkt, arbeitsintegration, schulabgänger, motivationssemester, semo, ausbildung, intensivwoche, lehrstelle, bewerbung

Jugendliche und Coachs während der Intensivwoche, Oktober 2018

siftung wendepunkt, arbeitsintegration, schulabgänger, motivationssemester, semo, ausbildung, intensivwoche, lehrstelle, bewerbung

Führung erleben: Aus Distanz überwacht der Chef, wie «seine Gruppe» den Dinosaurier zusammenbaut und gibt bei Bedarf Anleitung.

siftung wendepunkt, arbeitsintegration, schulabgänger, motivationssemester, semo, ausbildung, intensivwoche, lehrstelle, bewerbung

Sich Ziele stecken und erreichen verinnerlicht mit Pfeil und Bogen: Ziel anvisieren und treffen.

siftung wendepunkt, arbeitsintegration, schulabgänger, motivationssemester, semo, ausbildung, intensivwoche, lehrstelle, bewerbung

Inhalte des Thementags «Fit 4 Job».

siftung wendepunkt, arbeitsintegration, schulabgänger, motivationssemester, semo, ausbildung, intensivwoche, lehrstelle, bewerbung

Auch Spass gehört dazu: Feedbackrunde zu den Werbespots

siftung wendepunkt, arbeitsintegration, schulabgänger, motivationssemester, semo, ausbildung, intensivwoche, lehrstelle, bewerbung

Gemeinsames Kochen und Essen verbindet.

siftung wendepunkt, arbeitsintegration, schulabgänger, motivationssemester, semo, ausbildung, intensivwoche, lehrstelle, bewerbung

Neben dem Kochen ist Tischdecken ein weiteres Ämtli, das die Jugendlichen bei der gemeinsamen Mittagszeit zu erledigen haben.

Reload your life

Das ist das Leitmotiv des Wendepunkt-SEMO. Reload (= aufladen) will die Jugendlichen mit gewinnbringenden Sozial- und Handlungskompetenzen ausrüsten, damit sie den Sprung ins Berufsleben schaffen. Daran wird gearbeitet und gefeilt: Am stiftungsinternen Arbeitsplatz, in der Schnupperlehre oder im externen Praktikum. Wöchentlich in der Bewerbungsunterstützung, während des Schultags an der Berufsschule in Zofingen und an Thementagen. Die Basis dazu wird in einer fünftägigen Intensivwoche gelegt. Oft eine Herausforderung für die Jugendlichen: Weg sein vom gewohnten Umfeld, unter Beobachtung stehen, weil Videoaufnahmen zur Auswertung gemacht werden. Bei Tagesbeginn um 7.30 Uhr ausgeschlafen und fit sein. Einmal Chef sein und dabei merken, dass die eigene Vorstellung von Führen nicht unbedingt der Realität entspricht.

Mit Pfeil und Bogen à la Robin Hood ein Ziel anvisieren und sich dabei nicht ablenken lassen. Teamarbeit, Arbeitshaltung, das eigene Handeln reflektieren – alles wichtige Erfahrungen für die weitere Zukunft. An Thementagen wird vertieft, was im Camp begonnen hat: Mit Einzel- und Gruppenarbeiten sowie erlebnisorientierten Interaktionen soziales Verhalten, Selbstdisziplin und Eigenmotivation einüben. Persönlichkeitsprofil, Kommunikation, Umgang mit Geld und sozialen Medien, Berufswahl inkl. Bewerbungsprozess, Lebensübergänge und Sportliches stehen unter anderem auf der Inhaltsliste. An diesen Tagen verbringen Jugendliche und Coachs auch die Mittagszeit zusammen. Gemeinsames Kochen und Essen öffnet Raum für Gespräche und fördert die Beziehung.

Selbstkritisch und breit denken

Dienstagvormittag, Thementag «Fit 4 Job, Teil 4»: Die Jugendlichen sitzen im Halbkreis. Unter Anleitung von Maria Grogg, Coach, werten sie ihre Bewerbungsstrategie aus und besprechen mögliche Verbesserungsschritte, bevor sie sich in einem Werbespot – quasi als Übung für Vorstellungsgespräche – kurz und prägnant vor der Gruppe präsentieren. Nach der Feedbackrunde halten die Teilnehmenden konkrete Aktionen auf dem persönlichen Bewerbungsstrategieplan fest.

Diese Vorgehensweisen zielen darauf ab, dass die Jugendlichen ihr Handeln kritisch reflektieren, eigene Strategien entwickeln und sich nicht nur in ihren Traumberufen um Lehrstellen bewerben. Ein Grund, weshalb innerhalb der Thementage verschiedene Berufsbilder vorgestellt und regelmässig Firmenbesuche gemacht werden. Gerade letztere sollen bewirken, dass die jungen Erwachsenen ihren Horizont erweitern und erleben, ja buchstäblich «riechen», wie Betriebe funktionieren, wie sie den Bewerbungsprozess gestalten, worauf sie bei Schnupperlehren achten, welche Lehrstellen sie anbieten und wie sie die Berufsbildung gestalten. Und ein weiterer positiver Nebeneffekt: Bereits zwei SEMO-Teilnehmende haben dank Firmenbesuchen Lehrstellen gefunden!

Gemeinsam zum Ziel

Diese Eckpfeiler des Reloads, verbunden mit Beziehungsarbeit, helfen mit, dass das Vertrauen der Teilnehmenden wächst und Hemmschwellen abgebaut werden. Alle Bestrebungen des Teams sollen dazu führen, dass die Jugendlichen sich realistische Ziele setzen, Leistung und Durchhaltewillen steigern sowie ihre Sichtweise der Berufswahl erweitern. Dabei erleben, dass auch mit Plan B der Eintritt in den regulären Arbeitsmarkt gelingen kann.

_____________________________

Textvermerke

  • 1) Weitere Informationen zum Motivationssemester SEMO unter wende.ch/semo
  • 2) Details zur Schöni Transport AG unter schoeni.ch
  • 3) Berufliche Grundbildung EBA oder EFZ: Zweijährige berufliche Grundbildung mit eidg. Berufsattest (EBA) oder drei- resp. vierjährige berufliche Grundbildung mit eidg. Fähigkeitszeugnis (EFZ).
Stiftung Wendepunkt, Regine Frey-Eichenberger

Regine Frey-Eichenberger

Autorin